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Montag, 25. September 2017, 20:24

Plötzlich akute Psychiose mit Suizidgedanken

Hallo zusammen,

Ich würde gerne über die Situation meiner Mutter sprechen. Es fällt mir nicht leicht, aber vielleicht hilft mir das Schreiben hier auch einfach.
Meine Mutter wurde vergangene Woche in einer Psychiatrie zwangseingewiesen.
Sie hat eine 6 stündige Operation hinter sich gehabt, da ein Tumor am Eierstock (bösartig) entfernt werden musste. Die Operation ist gut verlaufen, der Arzt sprach von einer Heilungschance von 100 Prozent. Dann folgte die Chemo und änderte alles. Nach der ersten Chemo hatte sie plötzlich eine riesengroße Angst und wollte sie abbrechen. Sie sagte immer wieder, dass sie das nicht kann und nicht so stark sei. Bei der zweiten Chemo war sie wieder stark. "Ich ziehe das jetzt durch", sagte sie, "ich muss!". Nach der zweiten Chemo dann der krasse Rückfall. Sie sprach nur noch davon, dass sie sterben wolle, sprach sogar die Nachbarn an. Der Abend war die reinste Hölle. Sie schlug sich mit dem Kopf auf dem Tisch, bat um eine Ermordung... Ich holte eine Freundin meiner Mutter, rief die Notfallnummer an. Später kam der Arzt. Sie wollte keine Tabletten nehmen, stand komplett neben sich. Er hat sie schließlich zwangseingewiesen. Die Tablette nahm sie dann und sie wurde ruhiger. Sie ging brav in den Krankenwagen, unterhielt sich dort und fuhr schließlich in eine psychiatrische Klinik.
Den Richter bat sie um Selbstmord. Er entschied sich dann dafür, dass sie dort bleiben muss. Zwei Tage später haben wir sie dann besucht. Sie wirkte etwas ruhiger, dachte über ihr Verhalten nach. Die Situation in der Psychiatrie belastete sie zusätzlich. Keine Äußerungen mehr über Selbstmord. Stattdessen sprach sie sich über die Behandlung aus, die ihr nicht gefiel. Wenn sie die Tablette nicht nahm, hat man sie mit dem Bett auf den Flur gestellt.
Am nächsten Tag stand sie dann komplett neben sich. Sie wollte nicht, verweigerte die Medikamente. Stand 2 Stunden auf dem Flur. Hat sich eingenässt, aber reagierte nicht. Sie war nicht mehr bei sich selbst. Verweigerte die Hilfe.
Am Sonntag sind mein Vater und ich zu Besuch in die Klinik gefahren. Man empfing uns unten an der Tür. Es folgte ein Gespräch mit der Ärztin einer anderen Station. Meine Mutter hatte sich am Freitag Abend versucht mit einem Duschschlauch umzubringen. Jetzt hat man sie am Bett fixiert. Eine Infusion aufgrund mangelnder Ernährung und gegen das Austrocknen bekommt sie. Medikamente werden weiterhin oral gegeben. Da sie die Medikamente aber nicht regelmäßig nimmt, wirken sie auch nicht so wie sie sollten. Manchmal nimmt sie sie, manchmal lehnt sie sie auch ab.
Heute wollten wir uns über den Zustand meiner Mutter am Telefon informieren. Mehr Auskunft als ein "Ihr geht es nach wie vor nicht gut" bekommen wir nicht.
Ich habe eine große Angst und bin im Moment auch etwas verzweifelt. Man kann nur zusehen, nicht helfen. Mann muss immer nur warten. Ich hoffe, dass der Zustand sich bald wieder bessert. Vielleicht hat ja jemand änliche Erfahrungen durchmachen müssen und hat Interesse daran, sich auszutauschen.

Viele Grüße

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Mittwoch, 11. Oktober 2017, 09:14

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Hallo Mr. Darcy,

ich kann Dein Leid verstehen und weiß ansatzweise wenn nicht sogar gänzlich, wie du dich fühlst.
Meine Mutter hat in den letzten 18 Monaten 2x versucht sich das Leben zu nehmen.
Das letzte mal vor 3 Wochen. Momentan befindet auch sie sich in einer geschlossenen Station in einer Psychiatrie.
Ich kennen den Schmerz der Angehörigen die den Menschen, welchen sie Leben so sehen müssen.
Die ein schlechtes Gewissen haben wenn sie wieder - in ihr vermeintlich schönes Zuhause und ihr "normales" Leben zurück gehen und den Angehörigen gewungener Weise dort lassen müssen. Ich kenne die Angst, dass der Mensch noch mal versuchen könnte sich Umzug bringen, die Nächte die man wach liegt.
Und ich kenne das schlimmste Gefühl in dieser Situation nur allzu gut: Machtlosigkeit.
Man kann nichts tun, man kann nichts ändern.

Das einzige was ich dir sagen und raten kann: Das man nichts tun kann ist falsch - man kann für diese Person da sein. Bei ihr sein. ABER! Ganz wichtig: man darf sich selbst und sein eigenes Leben dabei nicht vernachlässigen um nicht selbst krank und depressiv zu werden. Auch man selbst - als Angehöriger - braucht nach sowas oft Hilfe und muss Zeiten zum ausatmen haben und Menschen mit denen man reden kann.

Ich wünsche dir und deiner Mutter alles erdenklich Gute

Verwendete Tags

akut, Klinik, Mutter, Psychiatrie, Psychiose, Suizid

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