Sie sind nicht angemeldet.

  • »Hans Jochim« ist männlich
  • »Hans Jochim« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 1

Über mich: Vater eines psychisch kranken Sohnes, Facharzt für Innere Medizin, von 1977 bis 2003 als hausärztlicher Internist in eigener Praxis in Hamburg tätig gewesen, seit 2003 Vorsitzender des Landesverbandes Hamburg der Angehörigen psychisch Kranker.
www.lapk-hamburg.de

Wohnort: Pinneberg

  • Nachricht senden

1

Samstag, 21. März 2015, 17:17

Respekt vor der Autonomie eines kranken Menschen oder unterlassene Hilfeleistung

Hamburg, 20. März 2015


Sehr geehrte Mitarbeiter des Instituts für Menschenrechte,

in Ihrer Publikation in Aktuell 1/ 2015
(http://www.institut-fuer-menschenrechte.…likationen.html

wird gefordert, in Zusammenarbeit mit der Zivilgesellschaft besonders vulnerable Personengruppen zu identifizieren. Auch sei die Lage in den Psychiatrien stärker in den Blick zu nehmen. Ich nehme dies zum Anlass, auf die oft desolate Situation psychisch kranker Menschen hinzuweisen, die nicht an das Versorgungssystem angebunden sind. Ich bitte Sie auf, auch diese Menschen in den Blick zu nehmen.
In Kürze erleben wir bundesweit z.B. folgende Situationen:

Ein psychisch schwerkranker Mensch, dem krankheitsbedingt die Einsicht in seine Hilfsbedürftigkeit fehlt oder der krankheitsbedingt nicht in der Lage ist, sich um Hilfe zu bemühen, zieht sich in seine Wohnung zurück,öffnet keine Post, ernährt sich nicht mehr richtig, vermüllt und verwahrlost,bricht sämtliche sozialen Kontakte ab, bezahlt keine Miete mehr, läuft Gefahr,in die Obdachlosigkeit zu geraten. Wenn Angehörige oder Freunde, Nachbarn versuchen, Hilfe für ihn zu erhalten, bekommen sie zu hören, es sei auch die Autonomie eines psychisch kranken Menschen ( auch wenn er zu einer freien Willensbildung nicht in der Lage ist) zu respektieren, so lange er nicht sich oder andere gefährde. Man beruft sich dabei u.U. sogar auf die UN-Konvention.Die Folge ist dann: es geschieht ganz lange gar nichts und irgendwann ist die „erste Hilfe“ die dem kranken Mensch zu Teil wird, der Polizeieinsatz und die folgende Zwangseinweisung.


In unseren Augen ist diese Situation geradezu das Gegenteil von Achtung und Respekt eines kranken Menschen. Die Artikel der UN-Konvention, die Maßnahmen zum Schutz und Unterstützung behinderter Menschen fordern, werden in Bezug auf psychisch behinderte Menschen weitgehend nicht zur Kenntnis genommen.


Erforderliche Maßnahmen zur Unterstützung psychisch kranker Menschen und um Zwangsmaßnahme gegen psychisch kranke Menschen unter traumatisierenden Bedingungen möglichst zu vermeiden sind z.B.

- Aufsuchende Hilfsangebote in der eigenen Wohnungmit dem Ziel, das Vertrauen des psychisch kranken Menschen zu gewinnen und ihm die erforderlichen Hilfen zu verschaffen. Dies auch, wenn der psychisch kranke Mensch dies Angebot nicht selbst anfordert oder zunächst sogar ablehnt!
Ziel dieser Hilfsangebote soll letztlich gerade die Vermeidung von Zwang, die Wiederherstellung eines eigenbestimmten Lebens in Würde sein.

Es ist eine Neubestimmung der derzeit herrschenden Ansichten über die Autonomie und Selbstbestimmung psychisch kranker Menschen nötig, es ist auch dem Gesichtspunkt des Schutzes eines psychisch kranken Menschen der gebührende Stellenwert einzuräumen.

Es ist zu klären: wann schlägt der Respekt vor der Autonomie eines psychisch kranken Menschen in unterlassene Hilfeleistung um?

Noch einmal: die Forderung ist nicht die Anwendung von Zwang, sonder ganz im Gegenteil die Forderung nach frühzeitiger Unterstützung schwerkranker psychisch kranker Menschen, auch wenn sie diese Unterstützung nicht selbst einfordern.

Ich wäre Ihnen dankbar, wenn Sie diese Überlegungen in Ihre Arbeit einbeziehen würden.
Dr.H.J.Meyer, Vorsitzender des Landesverbandes Hamburg dee Angehörigen psychisch Kranker

Susanne271

unregistriert

2

Sonntag, 3. Mai 2015, 11:19

Als Folge dieser Haltung droht nicht nur die Zwangseinweiseung, sondern evtl. auch der Tod

Mein Bruder und ich haben vor 1 1/2 jahren erlebt, dass wir unsere psychisch kranke aber Hilfe verweigernde Mutter nur zufällig noch lebend hilflos in ihrer Wohnung aufgefunden haben. Dieses passierte, obwohl sie unter gesetzlicher Betreuung stand und wir noch 3 Monate zuvor mit dem gesetzlichen Betreuer zusammen den Eindruck zunehmender Hilflosigkeit hatten. Wir versuchten gemeinsam durch einen Hausbesuch mit dem zuständigen Richter eine Zwangseinweisung zu erreichen, der dieses aber nicht für notwendig hielt. Mein Bruder fand sie 3 Monate später zufällig, weil sie nicht ans Telefon ging, in einem völlig hilflosen, dehydrierten Zustand. Abgesehen davon was unserer Mutter für ein Leiden hätte erspart werden können, hätte es auch für meinen Bruder und mich ein höchsttraumatisches Erlebnis werden können sie tot in ihrer vermüllten Wohnung aufzufinden. So konnte sie die letzten Monate als Pflegefall in einem Altenheim verbringen und wir konnten uns voneinander verabschieden.

Emu1805

unregistriert

3

Montag, 20. Juli 2015, 14:29

Plädoyer für die Umsetzung der Soziotherapie-Richtlinie

Ich teile ihre Haltung, dass eine Zwangseinweisung immer entwürdigend ist und im Vorfeld vertrauenschaffende Besuche erfolgen sollten. In diesem Zusammenhang ist es doch aktuell erfreulich, dass selbst der Hausarzt 3 Stunden Soziotherapie außerhalb seines Budgets verordnen kann und bis zu 5 Stunden durch einen Facharzt verordnet werden können, ausdrücklich zur Motivation. Es ist an der Zeit diese Hilfen gegenüber der Krankenkasse auch geltend zu machen. Wer Menschen jedoch durch Diagnosen verurteilt oder gar als behindert definiert, nimmt ihnen ihre Würde. Ich persönlich begrüße die juristische Entwicklung außerordentlich und lehne auch für meine Person jegliche psychiatrische Diagnostik ausdrücklich ab.

Pauline

unregistriert

4

Sonntag, 26. Juli 2015, 18:45

Zwangseinweisung

Ich mußte vergangene Woche die Zwangseinweisung meiner Tochter ertragen, diese war so erniedrigend, daß ich noch heute nachts nicht schlafen kann. Da ich wir entfernt von meiner Tochter lebe, sie jedoch in den letzten Wochen zunehmend Angst-u.Todesgedanken hatte, verbunden mit selbstverletzetnden Handlungen, versuchte ich mir ein Bild vom Gesundheitszustand zu machen. Sie hat einen Betreuer, der über Zustand informiert ist, ich rief Hausarzt, Psychiater, SPZ an, keiner war für einen Hausbesuch bereit. Nach mehrmaligen Anruf beim Sozialpsych.Dienst wurde meine Tochter von einer Mitarbeiterin aufgesucht, eine Ärztin veranlaßte dann die Zwangseinweisung.
Wofür ist ein Betreuer zuständig? Sollte er sich nicht darum kümmern, daß sich jemand kümmert??

TEmu1805

unregistriert

5

Dienstag, 28. Juli 2015, 13:20

der putative Wille

Der gesetziche Betreuer ist ausschließlich dem Wohl seiner Betreuten verantwortlich. Der Betreuer war offensichtlich bei Ihrer Tochter der Auffassung, dass es der Wille Ihrer Tochter sei, vor sich und anderen geschützt zu werden... , wenn sie denn bei klarem Verstand wäre. Es scheint mir bei allen Beteiligten primär um die Delgegation von Verantwortung an die Klinik zu gehen. Eine Traumatisierung wird von den beteiligten Professionellen billigend in Kauf genommen und in der Abwägung als weniger gravierend beurteilt. Das Schlimme finde ich, dass Ihre Tochter dadurch lernt ihre Gefühle nicht mehr äußern zu dürfen, da sie sonst wieder gefährdet ist, zwangsbehandelt zu werden. Ich bin gespannt wir ihre Tochter die Situation rückwirkend beurteilen wird. Ich kann mein Pladoyer für das Einfordern von Soziotherapie nur wiederholen. Es gibt vorrangige Möglichkeiten, die auch im Interesse der Krankenkassen liegen müssten...

  • »Reiner Ott« ist männlich

Beiträge: 3

Über mich: Psychiatrieerfahrener, Angehöriger und Genesungsbegleiter in der ASP (Ambulanten Sozial Psychiatrie/Eingliederungshilfe) in Hamburg. Vorstandsmitglied bei einem Träger der ASP

Wohnort: Hamburg

Beruf: Genesungsbegleiter

  • Nachricht senden

6

Freitag, 31. Juli 2015, 12:34

Ein sehr spannendes Thema, welches Sie Dr. Meyer da aufgegriffen haben.

würde gerne meine Gedanken, die ich schon in meiner letzten Rundmail zu Ihrem Positionspapier geschrieben habe, hier zur Diskussion stellen.

Zitat

Wenn ein Mensch der z.B. eine für sich positive erlebte Psychose hat,
weil er mit Gott sich sehr verbunden fühlt, und nicht darunter leidet.
Ist dieser Mensch nun Krank und MUSS vom Hilfesystem unterstützt werden ?
Oder kann man diesen Menschen nicht einfach Mensch sein lassen und
seine Psychose erleben und ausleben lassen ? Wer möchte sich anmaßen zu
entscheiden und über unseren Kopf zu bestimmen ?


Ein anderes Fallbeispiel: Ich lasse meine Wohnung "etwas" unordentlich
sein, mein Reinlichkeitsfanatischer (möglicherweise zwanghafter)
Angehöriger gefällt das nicht wie ich lebe. Muss mir dann geholfen
werden gegen meinen Willen ? Klar, eine "Messiwohnung" ist für niemanden
gesund, aber wer möchte denn bestimmen, ob ich damit ein Problem habe,
oder nur mein Angehöriger, Nachbar, etc. ?



Der Grad zwischen nicht mehr selbst bestimmen zu können, was gut für
mich ist oder nicht, ist sehr schmal. Den kann man rechtlich glaube ich
auch nicht wirklich dingfest machen. Vielmehr sollte man das Gespräch
mit demjenigen versuchen zu suchen und führen.



Ich persönlich finde die Idee mit der aufsuchenden Hilfe von Menschen,
die selbst Psychiatrieerfahren sind für eine sehr wertvolle Hilfe.
Leider sind die Ausbildungskosten enorm angestiegen (Fördergelder sind
ausgelaufen, ARGE, Eingliederungshilfe, REHA-Träger sträuben sich diese
Fortbildung zu finanzieren) und pro Jahr werden in Hamburg aktuell nur
ca. 20 Erfahrene zu den sogenannten Ex-Inler oder Genesungsbegleiter
ausgebildet, wo auch nicht jeder später beruflich tätig sein will oder
kann. Diese speziell geschulte Erfahrene bekommen oft einen Zugang zu
schwer Betroffenen, weil sie eben nicht irgendwelche Zielsetzungen oder
überstülpende Hilfeleistungen anbieten. Sie sind einfach für die
Menschen da und begleiten auch schwerst Betroffene in Ihrem Erleben,
ohne das sich der Betroffene rechtfertigen muss, so zu sein, wie er ist.
Sie können nachfühlen, wie es sich für einen in "großer Not" anfühlt,
ohne es erklärt zu bekommen. Aber auch diese aufsuchende Hilfe
funktioniert nicht nur auf Ehrenamtbasis. Da muss auch eine gerechte
Entlohnung, inkl. Supervision und Austauschplattform gegeben sein.

Emu1805

unregistriert

7

Freitag, 14. August 2015, 08:52

Neues Urteil des Bundesverfassungsgerichtes

Das BVG hat in einer neuen Entscheidung nochmal nachgelegt: Der mutmassliche Wille nach § 1901a Abs 2 ist „aufgrund konkreter Anhaltspunkte zu ermitteln.“ Also müssen Beweise
für einen vorhergegangenen (freien) Willen, auch grundrechtsverletzend zwangsbehandelt zu werden, vorgebracht werden! Sonst ist der mut­maß­li­che Wille of­fen­sicht­lich der na­tür­li­che Wille, nicht
ein­ge­sperrt zu wer­den, weil sich die Per­son an­sons­ten frei­wil­lig in die Psych­ia­trie be­ge­ben bzw. dort blei­ben würde. Ärzte bzw. Betreuer müs­sen die­sen (na­tür­li­chen) Wil­len – der vom Ge­setz­ge­ber so ge­stärkt wurde, dass da­mit so­gar eine Pa­ti­en­ten­ver­fü­gung wi­der­ru­fen wer­den könnte – ent­kräf­ten, in­dem sie mit Tat­sa­chen ei­nen vor­her ge­äu­ßer­ten Wil­len, ein­ge­sperrt und zwangsbehandelt wer­den zu wollen, be­wei­sen. Das
geht ei­gent­lich nur mit ei­ner po­si­ti­ven psych­ia­tri­schen Vor­aus­ver­fü­gung, der un­ter Zeu­gen münd­lich aus­drück­lich zu­ge­stimmt wurde.

Den Volltext des Urteils vom 14.07.2015 findet man hier:

http://www.bundesverfassungsgericht.de/S…2bvr154914.html

Pauline

unregistriert

8

Donnerstag, 24. September 2015, 09:11

Nach Zwangseinweisung

Ich berichte mal kurz, wie es nach der Zwangseinweisung meiner Tochter weiter ging. Nach einigen Tagen kam sie dank Betreuer wieder auf die normale Station, von der sie sich dann nach kurzer Zeit wieder entlassen ließ. Von da ab ging alles so weiter, es kümmerte sich kein Mensch um sie. Der Betreuer sah scheinbar keine Veranlassung dafür, oder ich sage mal, ihn kümmerte es nicht und für ihn wäre es auch zuviel Arbeit. Ich habe dann von Leipzig aus den SPD informiert, dort erklärte sich jemand bereit, nach ihr zu sehen. Leider kam es zu keiner kontinuierlichen sozialen Betreuung, sie ist weiter mit den Stimmen aus dem Nazireich allein, bekommt weiter Schreianfälle, schlägt sich..usw. Sie hat schreckliche Ängste umgebracht zu werden . Einen Arzt hat sie nicht mehr. Sie ist auch zu eingeschränkt, um Aktionen in irgendwelche Richtungen zu unternehmen. Aber wenn man als psychisch Kranker nicht fit genug ist, bekommt man keine Unterstützung, fliegt aus dem KH raus. Dieser Mensch ist scheinbar nur lästig.

Emu1805

unregistriert

9

Montag, 28. September 2015, 15:06

PIA

Hallo Pauline,
gibt es denn keine psychiatrische Institutsambulanz, die sie mal aufsuchen könnte um Soziotherapie zu verordnen?

  • »Pauline« ist weiblich

Beiträge: 1

Über mich: Mutter einer Tochter mit fraglicher Diagnose " Schizoaffektiv", wohne ca.500 km entfernt

Wohnort: Leipzig

Beruf: Erwerbsminderungsrentner

  • Nachricht senden

10

Mittwoch, 30. September 2015, 11:08

Da sie aufgrund Geldmangels am Montag wieder extreme Schreianfälle bekam, kam jemand vom SPD vorbei und konnte sie überreden einer 3 monatigen ASP bzw.PPM zuzustimmen, auch zur Arztsuche wurde sie überredet. Wie ich jedoch heute merke, wird sie das alles nicht in Anspruch nehmen, da alle Ärzte in ihren Augen "Nazis"sind und daß sie in diese dunkle KH sowieso nicht geht, weil sie da umgebracht wird. Was soll ich da noch machen????
Gestern hatte ich noch Hoffnung, heute nicht mehr. Sie postet auch bei FB, daß sie ein Holocaustopfer sei.

  • »Reiner Ott« ist männlich

Beiträge: 3

Über mich: Psychiatrieerfahrener, Angehöriger und Genesungsbegleiter in der ASP (Ambulanten Sozial Psychiatrie/Eingliederungshilfe) in Hamburg. Vorstandsmitglied bei einem Träger der ASP

Wohnort: Hamburg

Beruf: Genesungsbegleiter

  • Nachricht senden

11

Donnerstag, 10. Dezember 2015, 00:00

Hallo Pauline,

magst Du über den weiteren Verlauf berichten ?
Wenn deine Tochter kein Vertrauen in das Klinische System (kann ich
übigens sehr gut nachvollziehen) hat, vielleicht hat ja der ASP-Anbieter
einen Kontakt aufbauen können ? Und zunehmend nutzen hier in HH auch
die ASP-Anbieter die Genesungsbegleiter, die oft noch einen Zugang zu
den schwer Betroffenen finden. Leider gibt es aktuell in Deutschland
noch kein wirklich aufsuchendes Hilfesystem (HomeThreatment), wenn man
nicht schon vorher sich dort angemeldet hat (Beispiel Hamburg die
Integrierte Versorgung). In Hamburg gibt es nicht mal einen
Krisendienst, welches ja der Betroffenen und Auch der Angehörigenverband
schon seit Jahren fordert. Sowas kosstet Geld und da ist der
Staat/Land/Stadt nicht gewollt, zu investieren.

lg Reiner

Herbert F.

unregistriert

12

Dienstag, 5. April 2016, 10:03

Hallo Pauline,

ich kann Dich sehr gut verstehen, was Du da durchmachst.
Die Zwangseinweisung war zwar sehr bitter für Dich, hätte aber die Einstellung auf ein Medikament bringen sollen, wodurch diese Art Anfälle in der form vermutlich nicht wieder aufgetreten worden wären.

Stattdessen wurde die Entlassung betrieben.

Die Kranken sind der Auffassung, dass sie gesund sind und keine Medikamente brauchen.
Deshalb kannst du nicht zu ihr vordringen.
Du kannst es nur n einem lichten Moment versuchen.
Ohne Medikamente geht es nicht! Die Zwangseinweisung ist die letzte Möglichkeit, aber sinnvoll.

Manche sehen die Zwangseinweisung als unmenschlich. Ist es aber menschlich, wenn sich ein Kranker umbringt oder er einen anderen?

Ich betreue einen Angehörigen seit über 30 Jahren. Nur die stabile Medi-Einnahme am besten mit Depotspritze bringt Sicherheit.

Dir weiter alles Gute, mach das beste draus.

Herbert

13

Mittwoch, 13. Juli 2016, 10:49

Zwangsbehandlung

Ich lag vor Jahren auch nur in meiner Wohnung an einer Hauptverkehrsstraße, ohne Aufgabe, ohne Ziel, ohne Struktur. Habe Tag und Nacht die Autos gehört, wurde nachts davon geweckt, weil es so laut war. Irgendwann habe ich dann Autospiegel abgebrochen. Meine Eltern sahen, dass es mir schlecht ging und wollten etwas tun. Eine Zwangseinweisung und medikamentöse Behandlung folgte.Was mit der Pharmakotherapie erreicht werden sollte, ist mir bis heute unklar geblieben, da ich keine Wahnvorstellugnen hatte. Mir war aber klar, dass ich kein Vertrauen zu Ärzten aufbauen kann, die mich so behandeln. Sie haben mich dann gegen ärztlichen Rat entlassen und mir prophezeit, dass ich als Drehtürpatient immer wieder kommen würde. Stattdessen habe ich dann weitere 9 Monate in meiner vermüllten Wohnung gelegen. Zwischenzeitlich habe ich eine Patientenverfügung und will nie mehr so gedemütigt werden, daher lehne ich Zwangsbehandlung und Zwangsdiagnostik ab. Krankenkassen sollten Therapien finanzieren nicht Traumatisierung finde ich.

  • »Kaffeekanne« ist weiblich

Beiträge: 4

Über mich: Bin Schwester eines psychische. Kranken.

Wohnort: Schwarzwald

Beruf: Krankenschwester

  • Nachricht senden

14

Montag, 2. Januar 2017, 22:58

Keine Hoffnung auf ein gutes Ende

Hallo, mein jüngere Bruder ist seit fast 20 Jahren schwer krank. Er lebt in einer immer wider völlig vermüllten Wohnung und wird von meiner Mutter betreut. Er wird in einer Krise extrem aggressiv. Verbal und auch körperlich. Gegen sich oder Andere. Er droht mit seinem Suizid . Er versucht sich zu töten. Er trinkt und nimmt wohl diverse Drogen. Seit Tagen ist er in einer Krise und hat meiner Mutter und ihrem Partner massiv gedroht . Er wurde von der Polizei in die Psychiatrie gefahren und.....nach einer Stunde wieder nach hause. Seit einer kurzweiligen Zwangseinweisung in seiner Teenager Zeit lehnt er jegliche Form von Therapie ab. Er ist damals mit einem Messer auf einen gerufenen Arzt los gegangen. Ich habe in den Jahren viele Versuche unternommen um für ihn Hilfe zu bekommen. Aber da muss "mehr passieren ". Meiner Mutter wurde von seiten der Polizei geraten wegzuziehen. Woher soll ein Mensch die Kraft nehmen auf "etwas schlimmeres" zu warten. Im August hat er einem Mitarbeiter der Stadtgärtnerei mit einer Gaspistole gedroht ,da dieser ihn beim schlafen gestört hat. Ich denke das er eine schwere Persönlichkeitsstörrung hat. Auch eine Betreuung wollte ich schon einrichten. Ohne Erfolg. FürsorgePflicht? Er ist auf seine Art für sich und Andere eine Gefahr. Soll ich nochmal auf Behörden und Polizei zugehen?

15

Dienstag, 17. Januar 2017, 05:09

Mein Sohn (dessen Betreuer ich bin) war auch extrem aggressiv, hat mich mehrmals angegriffen, insgesamt über die Jahre war die Polizei bestimmt 10 - 15 mal bei uns, zwei mal haben sie ihn mitgenommen, ein mal für paar Tage in die Offene, einmal geschlossen für 4 Wochen. Die Genehmigung des Gerichts zu bekommen war nicht schwer, meist folgen sie der Empfehlung des Psychiatriepersonals. Das Problem ist aber dass sie alle nicht da bleiben wollen und bei jeder sich bietenden Gelegenheit aus dem offenen Bereich abhauen und wieder vor der Tür stehen, was für eine Überraschung! Sie aber überhaupt in der Geschlossenen unterzubringen geht eh nur mit Genehmigung des Gerichts. Beantragung und alles was dazu gehört (man muss ja dann auch noch eine Einrichtung finden die einen freien Platz hat) muss eh erst mit dem zuständigen Betreuer besprochen/geplant werden.

Auf jeden Fall geht das nicht mal eben, es sind viele Hürden zu nehmen, was aber auch nicht verwundert: wäre es anders, würde eine Hälfte Deutschlands in der Geschlossenen sein und die andere Hälfte deren Vermögen verjubeln :D

  • »Kaffeekanne« ist weiblich

Beiträge: 4

Über mich: Bin Schwester eines psychische. Kranken.

Wohnort: Schwarzwald

Beruf: Krankenschwester

  • Nachricht senden

16

Dienstag, 24. Januar 2017, 16:05

Danke für ihren Erfahrungsbericht. Was ist aus ihrem Sohn geworden? Hat er irgendwann Hilfe und Therapie akzeptiert? Mein Bruder hat eine Geldstrafe bekommen und den Hinweis des Staatsanwalts, dass er massive Probleme hat und sich bei der Drogenberatung melden sollte. Ich wünsche ihnen weiter Kraft um für ihren Sohn da zu sein. Liebe grüße. ..

Thema bewerten